Dienstag, 13. Januar 2026

„Ich kann hier Gesellschaft mitgestalten, das reizt mich“

Holger Maar ist ab 01. März neuer Caritasdirektor beim Caritasverband für die Diözese Speyer © Melanie Müller von Klingspor / privat 

Holger Maar wird neuer Caritasdirektor – Doppelspitze wieder komplett

Speyer. “Ich freue mich auf die neue Herausforderung und bin gespannt auf die Menschen der Caritas – sowohl auf die Mitarbeitenden als auch auf die Kundinnen und Kunden, die die Angebote der Caritas in Anspruch nehmen.“ Holger Maar, 52, wird zum 1. März neuer Caritasdirektor des Caritasverbandes für die Diözese Speyer. Er tritt damit die Nachfolge von Vinzenz du Bellier an, der zum 30. September in den Ruhestand gegangen ist.

Für den erfahrenen Betriebswirt Holger Maar ist der Wechsel aus der freien Wirtschaft in die Wohlfahrtspflege eine bewusste Entscheidung für einen sozialen Arbeitgeber. Holger Maar bildet als Caritasdirektor gemeinsam mit der Caritasvorsitzenden Barbara Aßmann den neuen Vorstand und ergänzt somit die Doppelspitze. Der Interimsvorsitzende Markus Bennemann von der Beratungsfirma TMC Turnaround Management Consult bleibt vorerst im Amt, so dass es eine gemeinsame Übergangsphase geben wird.

Maar kommt ursprünglich aus Bayern. „Ich bin in Unterfranken geboren und aufgewachsen und war als Kind bei den Pfadfindern und den Messdienern“, erzählt er von einer behüteten und katholisch geprägten Kindheit. „Aber im beruflichen Kontext hatte ich bisher keine Kontakte zur Caritas.“ Maar hat nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann an der Universität Mannheim Betriebswirtschaft mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann studiert und später, von 2015 bis 2016, an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg noch einen Master of Health and Business Administration draufgesattelt. Er war bisher überwiegend in Unternehmen mit dem Schwerpunkt Medizintechnik beschäftigt.

„Von 2005 bis 2015 war ich Finanzdirektor in einem Unternehmen, das Dentalprodukte und Implantatsysteme herstellt und vertreibt“, erklärt Maar. „Es ist ein international tätiger Konzern. Ich war viel unterwegs für die Firma, da ich neben dem deutschen Hauptsitz auch für die internationalen Tochtergesellschaften kaufmännisch verantwortlich war.“ Nach den zehn Jahren wechselte er ebenfalls zu einem Unternehmen für Medizintechnik, das Geräte zur Bestrahlung von Tumoren entwickelt hat. Im Jahr 2021 wurde dieser Konzern von einem weltweit führenden deutschen börsennotierten Medizintechnikunternehmen gekauft. Von 2015 bis 2023 war er dort Geschäftsführer für verschiedene deutsche Gesellschaften, die die Bereiche Produktion, Vertrieb/ Service und Entwicklung abdeckten. In seiner Verantwortung lagen der gesamte kaufmännische und administrative Bereich. „Das Unternehmen betreibt auch Forschung, zum Beispiel im Bereich Protonentherapie. Da geht es darum, Tumoren und Krebszellen erfolgreich zu bekämpfen. Ein sehr dynamischer Bereich, indem sich vieles schnell entwickelt. Es hat mich motiviert, daran mitzuarbeiten, an Krebs erkrankten Menschen die bestmögliche Therapie anzubieten“, erzählt Maar.

Er sucht gerne neue Herausforderungen. Deswegen wechselte er für zwei Jahre in ein Start- up, das sich zum Ziel gesetzt hatte, die Digitalisierung in Krankenhäusern voranzutreiben. „Leider hat uns die Corona-Pandemie und die sich daran anschließende weltweit schlechte Wirtschaftslage ausgebremst“, berichtet er. Deshalb wechselte er noch einmal als Geschäftsführer in ein Unternehmen in der Dentalbranche. „Aber das war nicht mehr das Richtige. Mich treibt die Motivation, etwas Sozialeres zu tun. Wenn ich keine neuen Möglichkeiten mehr für mich sehe, etwas zu bewegen, muss ich mich verändern.“ Deshalb hat ihn die Ausschreibung sehr interessiert.

„Es ist eine Sache, sich mit Zahlen und Fakten zu beschäftigen und ein Unternehmen auf wirtschaftlich gesunde Füße zu stellen. Alleine das finde ich schon spannend. Bei der Caritas kommt noch der soziale Aspekt dazu“, beschreibt er, was ihn antreibt. „Ich möchte etwas Sinnstiftendes tun. Die Caritas ist da für Menschen, die Unterstützung brauchen. Ich freue mich darauf, mich da einzubringen.“ Holger Maar ist sich der Situation des Caritasverbandes bewusst. „Derzeit befindet sich der Verband in einer wirtschaftlichen Krise. Ich weiß das und habe in den vergangenen Monaten schon einen Einblick in das Zahlenwerk bekommen. Ich bin optimistisch, dass wir es mittelfristig bewältigen werden, aus den roten Zahlen zu kommen. Wenn ich diese Perspektive nicht deutlich erkennen würde, hätte ich mich nicht für diese Stelle entschieden“, blickt er optimistisch in die Zukunft.

Für Maar ist es ein Wechsel in eine andere Welt von Unternehmen. „Die Finanzierung der Dienste der Caritas ist ja durchaus komplex. Aber ich traue mir zu, mich in dem Zahlenwerk schnell zurechtzufinden. Hinzukommen werden die Begegnungen mit den Menschen. Ich freue mich darauf, die Caritaswelt kennenzulernen.“ Für seinen Einstieg hat er sich Gedanken gemacht: „Mir ist klar, dass in einer Krisensituation viel Spannung unter den Mitarbeitenden herrscht. “ Er hofft darauf, dass die 3500 Mitarbeitenden ihm mit Offenheit begegnen, denn Wertschätzung und eine offene Kommunikation seien ihm wichtig. „Ich werde ein guter Zuhörer sein“, verspricht er. „Ich bin interessiert an Menschen, empathisch und lernbereit“, beschreibt er sich. Selbstverständlich habe er sich intensiv mit der Vielfalt von Caritas beschäftigt. „Das Zusammenspiel von Caritas, Kirche und Politik ist neu für mich und ein spannendes Lernfeld. Es reizt und motiviert mich, dass ich hier die Möglichkeit habe, unsere Gesellschaft positiv mitzugestalten.“ Außerdem könne er sich in hohem Maße mit christlichen Werten identifizieren und der Claim der Caritas „Not sehen und handeln“ beschreibe gut, was ihn antreibt.

Holger Maar ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie an der Bergstraße.

Der Vorsitzende des Caritas-Aufsichtsrats Theo Wieder entschied sich mit der Findungskommission für Holger Maar. Er sagt: „Als verantwortlicher Caritasrat freuen wir uns, mit Holger Maar einen neuen Vorstand für den Caritasverband im Bistum Speyer vorstellen zu können. Herr Maar hat die Findungskommission und den Caritasrat von seiner Persönlichkeit, seiner Erfahrung und seiner fachlichen Kompetenz überzeugen können“, so Wieder. Und weiter: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihm und sind sicher, dass es ihm gelingen wird, zusammen mit Caritasdirektorin Barbara Aßmann, allen Mitarbeitenden und den Aufsichtsgremien, die Caritas im Bistum im Sinne eines gelebten christlichen Dienstes am Nächsten in eine gute Zukunft zu führen."

Text: Melanie Müller von Klingspor